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GLEKS - Grüne Lernlandschaften Eugen-Kaiser-Schule

Was heißt GLEKS?
GLEKS ist eine Abkürzung für „Grüne Lernlandschaften Eugen-Kaiser-Schule“ – ein grünes Großprojekt, an dem die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften seit 2010 engagiert arbeiten.
Die Eugen-Kaiser-Schule (EKS) ist eine berufliche Schule mit circa 1.900 Lernenden und Studierenden in Hanau. Schulformen wie Berufsschule, Berufsfachschule, Höhere Berufsfachschule, Fachschule und Fachoberschule werden unter ihrem Dach vereint. Agrarwirtschaft, Ernährung, Sozialwesen und Gestaltung sind einige der Berufsfelder, in denen diese Schulformen angeboten werden.

Was hat es mit GLEKS genau auf sich?
Ein wenig einladender Schulhof sowie eine angrenzende 6.000 Quadratmeter große unansehnliche Fläche, die durch Aufgabe von Tiernutzung eine neue Funktion erhalten musste, brachte die Projektidee „GLEKS“ hervor. Vom Schulträger 2010 gepachtet, werden die Flächen seitdem sukzessive mithilfe der Schülerschaft und Kooperationspartnern in den von uns liebevoll genannten „GLEKS-Park“ umgewandelt - ein Lernort und eine Naherholungsoase zugleich, und zwar nicht nur für Lernende und Lehrkräfte, sondern für den ganzen Stadtteil. In vielen Teilschritten sind seit Beginn grüne Aufenthaltsflächen mit Bewegungs-, Spiel- und Sitzmöglichkeiten, ein Sinnesgarten für Demenzkranke, ein Bauerngarten, ein Gemüsegarten für Praktisch Bildbare, großzügige Blumenbeete und eine Schulimkerei entstanden. Jüngste Projekte sind der Umbau eines alten Fahrradunterstandes in ein Schulungs-Gewächshaus mit angeschlossener Holzterrasse sowie der Bau einer Kinder-Forscherecke. Andere Teilprojekte, wie zum Beispiel ein Bewegungsparcours oder die Ausstattung und Begrünung des Gewächshauses, sind in der Planungsphase.

Was GLEKS für die EKS bedeutet
GLEKS ist Unterricht. Alle Teilprojekte des GLEKS-Parks werden mit den Lernenden zusammen angepackt, sowohl bei der Ideenfindung für Teilprojekte, als auch bei der Planung und Umsetzung. Es sind vor allem die „grünen“ Auszubildenden, wie die angehenden Gärtner/innen, Meister/innen des Garten- und Landschaftsbaus und Berufsfachschüler/innen der EKS, die sich lernfeldübergreifend und im Nachstellen komplexer beruflicher Situationen ihre eigenen grünen Lernbereiche erschaffen und sie über die Erschaffung hinaus auch zum Lernen nutzen. Aber auch "nicht grüne" Lernende der EKS nutzen diesen Lernraum, z.B. beim Entwurf von Pflanzenschildern für Staudenpflanzungen, beim Bau von Sitzmobiliar, bei der Nutzung der Kräuter in den Lernküchen oder bei der Verköstigung von Gästen bei GLEKS-Veranstaltungen. Dem Projekt GLEKS gelingt es durch diese vielfältige Nutzung in einzigartiger Weise die verschiedenen Berufsgruppen einer Berufsschule zusammen zu bringen, sie nachhaltig und mit hohem Praxisbezug mit beruflichen Kompetenzen auszustatten und ihre Handlungsprodukte darüber hinaus auch noch langfristig und sinnvoll im Park einzusetzen. Das hat Vorbildcharakter für den beruflichen Bildungsbereich.

Was tut GLEKS für Umwelt und Klima?
Der ehemals sich im Privatbesitz befundene Lorenzpark war bis 2010 ein kaum genutzter, unattraktiver Freiraum. Einige Großgehölze und verfallende Viehbaracken prägten das Bild. Seit der Pachtung 2010 ist daraus eine biologisch vielfältige und attraktive Parkfläche entstanden, die der Schule sowie dem Stadtteil dauerhaft Nutzen bringen soll. GLEKS entwickelt sich dabei immer mehr zu einer innerstädtischen Klimaoase und trägt schon vor seiner Fertigstellung zur Klimaanpassung im Stadtteil bei. Die erhaltenen Großgehölze mindern in Kombination mit den zahlreichen neu entstandenen Pflanzflächen die Schadstoffbelastung der Luft, entziehen ihr Treibhausgase und spenden Sauerstoff. An Hitzetagen ist im GLEKS-Park durch Schattenwurf der Pflanzen und das Wasserelement (Brunnen im Sinnesgarten) ein kühlender Effekt zu spüren. Es gibt keine versiegelten Flächen im Park, die ein Aufheizen der Luft verstärken könnten. Die wassergebundenen Wegeflächen ermöglichen ein artenreiches Bodenleben und ein Abfließen von Regenwasser bei innerstädtisch auftretendem Platzregen. Ein enormer Artenreichtum an Kulturpflanzen mit den verschiedensten Wuchsformen trifft hier aufeinander, bietet der Fauna vielfältige Fress- und Nistplätze und trägt zum gesunden Stadtklima bei. Harmonische, bodenbedeckende Staudengruppierungen tummeln sich dabei unter Schatten spendenden Hochstämmen und Obstspalieren. Eine standortgerechte Pflanzenauswahl ist uns dabei besonders wichtig, um Pflegeaufwand zu minimieren und Pflanzflächen auf viele Jahre hin attraktiv aussehen zu lassen. Natursteinmauern bieten Verstecke für Insekten und Kleinsttiere. Wild- und Heilkräuter, Flächen mit bodenverbessernder Gründüngung wie Phacelia sowie Zwiebelgewächse im Frühjahr bilden die Grünflächen unterhalb der Großgehölze und dienen den Bewohnern der Schulbienenstöcke als Bienenweide. Der Gemüsegarten der Praktisch Bildbaren sowie der Bauerngarten lässt alte, widerstandsfähige Gemüsesorten aufleben und zeigt ein positives Beispiel dafür, dass Nahrungsmittelproduktion regional und auch ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglich ist. Sogar das Züchten neuer Sorten findet im GLEKS-Park Platz. So arbeiten die angehenden Produktionsgärtnerinnen und Gärtner an der Zucht einer neuen und robusten Tomatensorte, eine Kultur, die vom Einsatz künstlicher Pflanzenschutzmittel sehr geprägt ist. Jedes Teilprojekt von GLEKS bietet somit vielfältige Bildungschancen zum Thema Umwelt.
Dem Thema „Baum“ wird im GLEKS-Park im Übrigen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich erschaffen die Bäume auf nachhaltige Weise einen Großteil des wertvollen kühlenden und gesunden Klimas im Park. Uns war es besonders wichtig, den Altbaumbestand an Laub- und Obstgehölzen zu erhalten und sinnvoll zu ergänzen (z.B. durch Pflanzung „Baum des Jahres“, Teilnahme am Projekt 50 Jahre – 50 Bäume des Fachverbands Garten- und Landschaftsbau).
Sozial und global betrachtet
Besonders originell finden wir an GLEKS, dass der Park nicht nur Schülerinnen und Schülern als Lern- und Erholungsort vorbehalten bleibt. Mit GLEKS öffnet sich nämlich der sonst eher geschützte und in sich geschlossene Raum einer Schule den unterschiedlichen Menschen im ganzen Stadtteil Nordwest und bietet ihnen eine grüne und gesunde Aufenthaltsfläche in der Stadt. Dieser innovative Gedanke ermöglicht es Anwohnerinnen und Anwohnern oder den Kindern der beiden umliegenden Kindertagesstätten und Grundschulen, sich in den grünen Lernlandschaften zu bewegen und Natur zu erleben und zu erlernen. Hervorzuheben ist dabei vor allem die gut funktionierende Kooperation zum gegenüber liegenden Wohnstift und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern. Der für die dementen Menschen erbaute Sinnesgarten ermöglicht Vertrauen stiftende basale Erfahrungen in mitten der Natur. Blütendüfte, Bienensummen, bunte Farben, das Nass des Wassers, der Geschmack süßer Beeren oder auch haptische Eindrücke bei gemeinsamen Pflanzaktionen lassen in den älteren Menschen Erinnerungen wach werden und sich entspannen. Ganz besondere Bilder bieten sich, wenn die verschiedenen Generationen im Park aufeinandertreffen. Dort schwelgen Bewohner des Wohnstifts mit ihren Pflegerinnen beim Anblick der Pflanzen in alten Erinnerungen, während vor ihnen Landschaftsschüler die Beete pflegen und hinter ihnen neue Natursteinflächen entstehen. Kinder des naheliegenden Kindergartens lassen sich von EKS-Kolleginnen und
-kollegen die Bienenvölker zeigen und sortieren im Anschluss die großen Schachfiguren unter den amüsierten Augen der älteren Menschen auf dem Schachfeld um. Auf den großzügigen Wiesen treffen sich Lernende zum Austausch. Es entwickeln sich Zaungespräche zwischen Schülern, die gerade ihre Pflanzenkenntnisse aufarbeiten, und Passanten über die Attraktivität der Fläche für die Nachbarschaft. Besonders spannend zeigte sich im Sommer 2015 der Komplettumbau des Parks in eine riesengroße Freilichtbühne durch eine Theatergruppe. All diese Bilder belohnen uns für die Arbeit im Park, bestätigen uns in der Sinnhaftigkeit dieses schulischen Umweltprojektes und motivieren uns zur Weiterarbeit!
Im GLEKS-Park trifft somit Alt auf Jung und jüngst auch Nationalität auf Nationalität, denn GLEKS beinhaltet auch verschiedene ehrenamtliche und schulische Integrationsprojekte für Flüchtlinge.
Gerade weil die Lernenden die Flächen mit eigenen Händen erschaffen, ist die Identifikation mit dem Park und das Verständnis für die eigene Umwelt besonders hoch ausgeprägt – Probleme mit Vandalismus gibt es keine!

Besonders bedeutend: die finanzielle Absicherung
Das inzwischen rund 650.000 € schwere Projekt konnte und kann unmöglich allein aus schulischen Mitteln des Zweckverbands finanziert werden. Die Dimension ist für ein Schulprojekt schlicht riesig. Die Beteiligung der Lernenden (bisher über 10.000 geleistete Arbeitsstunden), Kooperationen mit Verbänden und (Ausbildungs)betrieben, Spenden aus Stiftungen und Fonds, der eigens gegründete GLEKS-Förderverein sowie Wettbewerbsteilnahmen bilden die Säulen der Finanzierung. Basis des Gestaltungskonzepts war z.B. ein Ideenwettbewerb, an dem Studenten der Landschaftsarchitektur der Hochschule Rhein-Main teilnahmen. Der eigens gegründete GLEKS-Förderverein hat inzwischen über 80 Mitglieder und sichert dauerhaft Einlagen für den Erhalt und den Weiterbau des Parks. Der Umweltpreises 2014 sowie die Siege beim hessenweiten Wettbewerb „Städte sind zum Leben da“ (2014), beim bundesweiten Wettbewerb „Schulhof der Zukunft (2015) und beim Husqvarna Förderwettbewerb „Grünkonzepte in Städten“ (2016) brachten zusätzliche Gelder ein.

Wie nachhaltig ist GLEKS?
Nachhaltigkeit ist für GLEKS von Beginn an ein wichtiges Schlagwort und zwar in Bezug auf sämtliche Teilaspekte, wie in den Punkten weiter oben bereits jeweils erwähnt. Der Park soll sich dauerhaft als innerstädtische grüne Oase für den Stadtteil und die Lernenden etablieren und für nachhaltiges Lernen sorgen (Einüben von Fertigkeiten und Erwerb von Fachwissen ohne Zeitdruck und mit vielen Wiederholungen). Genau auf jene Zwecke werden sämtliche Planungen und Maßnahmen ausgelegt. Es wurde und wird besonderer Wert auf fachgerechte Durchführung von Baumaßnahmen sowie eine standortgerechte Wahl der Bepflanzung und deren Namenskennzeichnung gelegt. Ein Pflegekonzept, dessen Hauptakteure die Lernenden im Rahmen von Lernarrangements, aber auch Kooperationsbetriebe sind, sorgt für den dauerhaften Erhalt der angelegten Flächen. Langanhaltend ist auch das, was wir den Lernenden an Umweltbildung mit auf den Weg geben können (Biodiversität, Bienenhaltung, regionaler Anbau). Auch bei der Finanzierung wurde durch die Gründung des Fördervereins viele Schritte voraus gedacht und der Erhalt der wertvollen Anlage gesichert. Die Nutzung öffentlicher Kanäle wie Ortsbeirat und Bürgerinformation (z.B. Plandarstellung vor Ort), die Einbindung der regionalen und überregionalen Presse (z.B. Hanauer Anzeiger, FAZ, DEGA, Bild, Hessenschau HR3) sowie die Siege bei Wettbewerben bringen eine zunehmende Bekanntheit und Akzeptanz in der Bevölkerung mit sich und schaffen ein positives Image für den grünen Bereich und generell für das Thema der Berufsbildung.

Der nachhaltigen Gestaltung wird im Projekt ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt – gerade weil der Park auch öffentlich ist. Der von der Bevölkerung und vom Schulgebäude aus voll einsehbare Park soll optisch das zum Ausdruck bringen, was er im "Inneren" an Funktion zu bieten hat. Und dieses Konzept geht bereits während der Erschaffensphase der vergangenen Jahre auf. Besucher der EKS und Passanten bringen immer wieder ihre Begeisterung über den Park zum Ausdruck. In einem Brief im Sommer 2015 schrieb eine Anwohnerin aus dem Stadtteil:

„Über die wunderschöne Gartenanlage freue ich mich immer, wenn ich dort vorbeigehe. Für diese tolle Anlage meine höchste Bewunderung, für die Pflege mein größtes Lob.“
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Eine Trockenmauer beteht aus aufeinander gelegten Steinen und bietet Tieren eine Unterschlupfmöglichkeit

Trockenmauer

Viele bunte Blumen in der Wildblumenwiese geben Insekten ausreichend Nahrung

Wildblumenwiese

Portulak - eine alte Salatsorte

Portulak