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Hanau summt

Schmetterling auf Löwenzahn

Auf einer Blumenwiese ist immer etwas los, hier tobt das wilde Leben: Hummeln brummen, Bienen summen und prächtige Schmetterlinge flattern elegant von Blüte zu Blüte. Beim gemeinsamen Mittagessen unter Kollegen kam das Thema auf, welchen Beitrag die Baugesellschaft Hanau zum Schutz der Natur und gegen das Insektensterben, das schwerwiegende Folgen für die Umwelt hat, leisten könnte. So entstand die Idee, naturbelassene Wiesen für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten zu fördern. Die Mitarbeiter trugen den Vorschlag an den Geschäftsführer der Baugesellschaft, Jens Gottwald, heran, der das Vorhaben sofort begeistert unterstützte.

Das Konzept „Hanau summt“ sieht vor, Freiflächen, die von den Mieterinnen und Mietern nicht genutzt werden, nicht mehr radikal kurz zu halten, sondern unberührt blühen zu lassen. Nach dem Projektstart im Jahr 2018 fiel jedoch auf, dass teilweise viel weniger Blumen auf den Wiesen blühten, als zuvor erwartet. Daher hat die Baugesellschaft Hanau Anfang 2019 nachgeholfen und zusätzlich 15 Kilo unterschiedliche Wildblumensamen speziell jeweils für Sonnen- und Schattenflächen gekauft, um sie auf allen Flächen des Projektes „Hanau summt“ auszusäen und den Insekten eine blühende Lebensgrundlage zu bieten.

Um solche Insektenschutzzonen auszuweisen, wird ein entsprechendes Hinweisschild angebracht. Hier wird nur noch ein Randstreifen der Grundstücke regelmäßig gemäht, um zu verhindern, dass störende Gräser auf das Nachbargrundstück überhängen. Kleine Gärten bleiben gänzlich unberührt.

Das Pilotprojekt wurde im Frühjahr 2018 mit drei Leergrundstücken gestartet und fand seither viel positive Resonanz. In 2019 wurde es daraufhin ausgeweitet. In zahlreichen weiteren Liegenschaften wurden ungenutzte Gärten, Wiesengrundstücke und Grünstreifen zum Teil des Projektes „Hanau summt“ erklärt. Zu finden sind die Wildblumenwiesen, auf denen es summt und brummt inzwischen in der Antoniterstraße, Kopernikusstraße, Schwerinerstraße, Burgallee, Heinrich-Zille-Straße, Dresdenerstraße, Königsbergerstraße, Auf dem Keipersnickel, Liebigstraße, Kirchhoffstraße, Kiefernweg, August-Schärttner-Straße, Gabelsbergerstraße, Karl-Marx-Straße, Jahnstraße, Hasenpfad, Pfaffenbrunnenstraße und Lehrhöferstraße in Hanau.

Diese Insekten-Refugien tragen einen kleinen Teil zur Bekämpfung der Ursachen des dramatischen Rückgangs der heimischen Insektenpopulation bei. Ehrenamtliche Insektenkundler hatten bereits 2017 Alarm geschlagen: Die Zahl der Fluginsekten sei drastisch eingebrochen. Nun bestätigt eine im Oktober 2019 veröffentlichte Studie der Technischen Universität München diesen dramatischen Insekten-Schwund. Demnach ging sowohl auf Wiesen als auch in Wäldern die Artenzahl im zehnjährigen Studienzeitraum um etwa ein Drittel zurück, in den Graslandschaften sogar um 60 Prozent. Die Forscher sehen die Hauptursache in der Landwirtschaft. Biologische Faktoren wie fremde Arten und Krankheitserreger stehen an zweiter Stelle, dicht gefolgt von der voranschreitenden Urbanisierung, die laut dieser Studie 11 Prozent Anteil am Insektensterben hat. Diesen letzten Aspekt hatte die Baugesellschaft Hanau im Blick, als sie das Projekt „Hanau summt“ in Leben rief.

Auch wenn sich durch „Hanau summt“ das Insektensterben nicht aufhalten lässt, und ein paar ungemähte Wiesen die Welt nicht verändern, so können wir in Hanau zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, die in der Studie veröffentlichten 11 Prozent als Ursache für das Insektensterben durch Urbanisierung einzudämmen. Außerdem wird Aufmerksamkeit auf den Schutz von Wildbienen und anderen Insekten gelenkt und das animiert vielleicht mehr Menschen, eigene Ideen umzusetzen.