Das Projekt des Expertenteams für Palliative Pflege (kurz EPP-Team) wurde 2018 aufgrund der zunehmend schlechter werdenden Versorgungssituation in stationären Pflegeeinrichtungen entwickelt. Es beinhaltet die Pflege von Menschen in stationären Einrichtungen, die eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität durch Schmerzen, Vereinsamung und Ängsten erfahren müssen. Ziel der palliativen Pflege ist die namensgebende „Ummantelung“ der Betroffenen durch geeignete Therapien, Pflege, Medikationen beziehungsweise menschliche und seelsorgliche Begleitung zur Besse-rung und Bewahrung der Lebensqualität.
Wesentliche Aufgabe des EPP-Teams ist in diesem Kontext die regelmäßige Symp-tomkontrolle bei den überantworteten Menschen, der Austausch mit diesen sowie der regulären Pflege wie auch mit den behandelten Ärzten. Im Ergebnis gibt es für denkbare Krisensituationen ein Maßnahmenpaket sowie Bedarfsmedikationen. Dadurch ist es möglich, auch außerhalb der Sprechzeiten der Haus- und Fachärzte fachlich abgesicherte Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen, ohne jedes Mal auf die Notfalleinweisung in eine Klinik zurückgreifen zu müssen. Zudem verfügt das EPP-Team über ein breit gefächertes Netzwerk unterstützender Institutionen aus Seelsorgern, Hospiz-diensten, Therapeuten und Psychologen.
Das EPP-Team wurde mit drei Alleinstellungsmerkmalen ausgestattet: Der organisatorischen Unabhängigkeit vom regulären Pflegebetrieb, einer hohen Fachlichkeit mittels einer Palliativ-Care-Ausbildung sowie einer 24-stündigen Erreichbarkeit für alle Beteiligten. Im Ergebnis sorgt die Arbeit des Teams für eine deutliche und nachhaltige Verbesserung von Versorgung und Kommunikation unter allen Versorgern.
Die Einführung des Expertenteams stellt eine strukturelle Änderung der Pflegeorganisation dar. Durch seine Unabhängigkeit von der Alltagspflege ermöglicht es auch bei Personalmangel eine Konzentration auf die schwächsten Glieder in der pflegerischen Versorgung. Zudem werden organisatorisch alle im Sozialsystem vorhandenen Ressourcen über das Netzwerk „Runder Tisch“ eingebunden. Dadurch beweist die Arbeit des EPP-Teams, die auch als „Hanauer Modell“ bekannt ist, seine soziale Nachhaltigkeit.
Durch seine zentrale organisatorische Funktion gibt das EPP-Team gemeinsam mit den verbundenen Netzwerken den Bewohnerinnen und Bewohnern wie auch deren Angehörigen die erforderliche Stimme, wenn es um die Bewältigung sozialer und gesellschaftlicher Defizite gegenüber den Versorgungsträgern geht. Damit findet die Sorgekultur Eingang in den gesellschaftlichen Wertekanon im Sinne einer kulturellen Nachhaltigkeit.
Das EPP-Team ist weiterhin in der Lage, die betrieblichen wie auch externen personellen und sachlichen Ressourcen der Pflege optimal zu organisieren und zu nutzen, wodurch die zeitlichen und finanziellen Ressourcen der behandelnden Ärzte ebenso optimiert und geschont werden können, wie der Rettungsdienste und der Notärzte, was dessen ökonomische Nachhaltigkeit ausmacht.
Die Vermeidung dieser unnötigen Rettungsfahrten und Notarzteinsätze wie auch der aufwendigen Klinikaufenthalte mit den fordernden Diagnostiken sind Beispiele für die Schonung von Ressourcen und der damit verbundenen ökologischen Nachhaltigkeit, die durch das sinnvolle Ressourcenmanagement des EPP-Teams bewahrt wird.
Weitere Details finden Sie in der ausführlichen Projektbeschreibung.
Das Projekt bildet folgende Ziele der nachhaltigen Entwicklung ab:
3. Gesundheit und Wohlergehen
10. Weniger Ungleichheiten
17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele